Der
Wille im Sufismus
Reshad
Feild
Reshad
Feild ist einen Sufi-Weg gegangen und hatte authentische Sufilehrer.
Er brachte die alten Traditionen und Lehren und seine Erfahrungen
auf diesem Weg in eine Sprache der Gegenwart und schreibt in seinem
Buch „Die Alchemie des Herzens“ im Kapitel über den Willen (S.
100 – 104).
„Lassen
Sie nicht zu, dass sie von ihren Gefühlen missbraucht werden. Stehen
Sie am Morgen auf und fangen Sie einfach an! .... Je Mehr wir unseren
Willen entwickeln, umso weniger verlieren wir uns in unseren eigenen
Problemen und sind der Macht des Schicksals ausgeliefert.
....
Solange wir uns mit unserem Körper, unseren Emotionen oder Gedanken
identifizieren, sind wir in ihrer Tyrannei gefangen. Erlauben Sie
ihnen nicht, Sie zu tyrannisieren, sie sind nicht dazu bestimmt,
sie zu tyrannisieren. Das ist, als würde der Esel uns führen, wohin
er will, statt dass wir entscheiden, wohin wir gehen müssen. Der
Umgang mit unserem Körper, unseren Gefühlen und Gedanken ist der
Dressur eines Pferdes zu vergleichen. Dabei liegt es uns fern, das
Pferd zu ’brechen’, da wir den Geist anerkennen, damit der Geist
des Pferdes den Geist in uns erkennt. Gelingt dies, entsteht ein
Band der Freundschaft, und wo eine Freundschaft besteht, da ist
auch Zusammenarbeit möglich. In vergleichbarer Weise müssen wir
auch Freundschaft mit unserem Körper, unseren Gefühlen und unserem
Verstand schließen. Aber lassen Sie sich von diesen Dingen nicht
bestimmen. Lernen Sie, sich nicht mit ihren Gedanken und Gefühlen
zu identifizieren. Denn das führt zu nichts. Falls Sie es aber dennoch
tun, werden Sie niemals über Ihre eingeschliffenen Verhaltensmuster
und über ihre Konditionierungen hinausgelangen. Die gleichen Muster
werden lediglich in stets gewandelter Form weiterwirken, und zwar
nicht nur in uns, sondern auch in die nächste Generation hinein.
....
Sie sind nicht identisch mit Ihrem Körper. Dieser Körper hat Sie
zwar dahin gebracht, wo Sie heute stehen, gleichwohl sind Sie nicht
identisch mit ihm. Ebenso wenig sind Sie identisch mit ihren Gefühlen.
Vielleicht sind Ihnen ihre Gefühle sehr wichtig. Sie können auch
diese Gefühle ruhig anerkennen, wie es die Psychologen verlangen,
aber machen Sie sich trotzdem klar, dass Sie kein Gefühl sind. Schließlich
sind Sie auch nicht mit ihren Gefühlen identisch. Gedanken können
sehr nützlich sein (würden Sie sich nicht über einige Dinge Ihre
Gedanken machen, dann würde Ihr Interesse vermutlich rasch nachlassen),
und trotzdem sind Sie nicht ihre Gedanken. Wenn Sie aber weder ihr
Körper noch ihre Gefühle, noch ihre Gedanken sind ..., ja wer sind
Sie dann?
In unserem Willen könne wir uns wie in einem dynamischen Punkt sammeln,
der uns gestattet, dem Leben zu dienen. Solange wir unseren Körper,
unsere Gefühle und unseren Verstand nicht unter Kontrolle haben,
sind wir im ganzen Universum verstreut. ....
Wenn wir ein auf einen Punkt gerichtetes Ziel entwickeln, dann bringen
wir alles in diesen einen Punkt hinein. Verschreiben wir uns einem
einzigen großen Lebensziel, so können wir alle unsere Energien darauf
richten. Auf diese Weise können wir alle unsere Energien darauf
richten. Auf diese Weise können wir Wille entwickeln. Unser ganzes
Sein kann in einem großen Ziel zusammenkommen. Durch dieses Zusammenkommen
wird der Wille entwickelt und das Gewissen geweckt. .....